Ulm baut um: Von der Baustellenkommunikation zum „Behörden-DMAX“
Baustellen sind eigentlich kein Thema, mit dem man als Stadtverwaltung besonders leicht Begeisterung auslöst. Sie bedeuten Stau, Umleitungen, Lärm, Einschränkungen und manchmal auch das Gefühl: Schon wieder wird irgendwo gebaut, aber niemand weiß so richtig, was da eigentlich passiert. Genau deshalb ist der Instagram-Kanal „Ulm baut um“ so spannend. Die Stadt Ulm hat aus einem klassischen Reizthema ein eigenes Kommunikationsformat gemacht. Eines, das nicht nur Sperrungen meldet, sondern erklärt, begleitet und sichtbar macht, was hinter den Bauzäunen passiert. Mit Zeitraffern, Webcams, Livestreams, Baustellenführungen, Kollaborationen mit Baupartnern und Menschen, die vor der Kamera erklären, worum es gerade geht. Oder, wie Christian es in der Folge nennt: ein bisschen wie Behörden-DMAX.
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Weitere InformationenWer ist Ilka Koschak?
Ilka Koschak arbeitet bei der Stadt Ulm in der Baustellenkommunikation und betreut den Instagram-Kanal „Ulm baut um“. Ursprünglich kommt sie nicht aus der klassischen Verwaltungslaufbahn, sondern über Sprachen, Kulturraumstudien, freie Wirtschaft, Elternzeit und privates Bloggen zur Stadtverwaltung. Bei der Stadt Ulm war sie zunächst viele Jahre für die zentralen Social-Media-Kanäle mitverantwortlich, bevor sie in die Kommunikation großer Infrastrukturprojekte wechselte. Heute verbindet ihre Arbeit Redaktion, Content Creation, Baustellenrecherche, Community Management, Abstimmung mit Fachbereichen, Pressearbeit und visuelles Storytelling. Besonders spannend: Ilka macht sichtbar, dass selbst ein Thema wie Baustellen auf Social Media stark funktionieren kann, wenn Verwaltung nicht nur informiert, sondern erklärt, zeigt und erzählt.
Baustellenkommunikation ist mehr als Verkehrsmeldung
Natürlich geht es bei „Ulm baut um“ auch um Information. Welche Straße ist gesperrt? Wo gibt es Einschränkungen? Was verändert sich für Autofahrer:innen, Radfahrer:innen, Fußgänger:innen oder Menschen, die mit dem ÖPNV unterwegs sind? Aber der Kanal geht deutlich weiter. Ilka beschreibt in der Folge, dass das Ziel nicht nur ist, Informationen zu veröffentlichen, sondern Verständnis zu schaffen. Denn wer jeden Tag an einer Baustelle vorbeifährt, sieht oft nur Absperrungen, Kräne und vielleicht gerade niemanden, der arbeitet. Was im Hintergrund passiert, bleibt unsichtbar. Genau hier setzt gute Baustellenkommunikation an: Sie zeigt, warum gebaut wird, was erneuert wird, welche Infrastruktur dahintersteht, warum eine Maßnahme notwendig ist und manchmal auch, warum es eben dauert. Das macht eine Baustelle nicht automatisch angenehm. Aber es macht sie verständlicher.
Warum „Ulm baut um“ funktioniert
„Ulm baut um“ funktioniert, weil Baustellen in Ulm kein einzelnes Projekt sind. Es geht nicht um eine kurzfristige Sperrung, die man einmal ankündigt und dann wieder vergisst. In Ulm stehen große Infrastrukturprojekte an. Brücken werden saniert oder abgerissen, Verkehrsachsen verändert, Leitungen erneuert, die Stadt bereitet sich auf große Entwicklungen vor. Ilka spricht in der Folge unter anderem über die B10, die Wallstraßenbrücke und ein großes Projektvolumen von rund 300 Millionen Euro. Das ist kein Randthema. Das prägt eine Stadt über Jahre. Und genau deshalb ergibt ein eigener Kanal Sinn. Nicht, weil jede Behörde für jedes Thema sofort einen neuen Account braucht. Sondern weil dieses Thema dauerhaft relevant ist, viele Menschen betrifft und immer wieder neue Fragen, Kritik und Erklärungsbedarf auslöst. Der Kanal muss nicht künstlich befüllt werden. Das Thema liefert selbst immer wieder Anlass für Kommunikation.
Aus Kritik wird nicht automatisch Zustimmung – aber ein anderer Ton
Ein besonders spannender Punkt in der Folge: Ilka erzählt, dass sich die Stimmung auf Social Media relativ schnell verändert hat. Nicht, weil plötzlich alle Baustellen toll fanden. Das wäre auch unrealistisch. Aber weil Menschen gemerkt haben: Da erklärt jemand, was passiert. Da werden wir mitgenommen. Da gibt es nicht nur eine trockene Meldung, sondern Einordnung. Und darauf kamen Kommentare wie: Danke, dass ihr das kommuniziert. Danke, dass ihr uns mitnehmt. Das ist ein wichtiger Unterschied. Gute Kommunikation nimmt nicht jede Kritik weg. Gerade bei Baustellen wird es immer Menschen geben, die genervt sind. Aber Kommunikation kann beeinflussen, wie Menschen auf ein Thema schauen: ob sie nur die Einschränkung sehen oder auch den Grund dahinter. Ob sie sich allein gelassen fühlen oder den Eindruck haben, dass Verwaltung erklärt, zuhört und sichtbar macht, was passiert.
Der eigentliche Aufwand passiert vor dem Post
Von außen sieht „Ulm baut um“ aus wie ein erfolgreicher Instagram-Kanal. Aber die Folge macht sehr deutlich: Der sichtbare Content ist nur die Oberfläche. Dahinter steckt viel Koordination. Ilka beschreibt, wie Informationen aktiv eingesammelt werden: bei der Verkehrsbehörde, bei Leitungsträgern, Stadtwerken, Fernwärme, Entsorgungsbetrieben, Regierungspräsidium, Baupartnern und Projektverantwortlichen. Dazu kommen App, Newsletter, Pressearbeit, Baustellenführungen und Veranstaltungen. Das ist vielleicht eines der wichtigsten Learnings aus der Folge: Guter Social-Media-Content in Behörden beginnt nicht bei Instagram. Er beginnt bei funktionierenden Informationswegen. Bei Menschen, die wissen, was passiert. Bei Prozessen, die dafür sorgen, dass Kommunikation nicht erst dann davon erfährt, wenn die Baustelle schon steht. Ein guter Post ist am Ende oft nur der sichtbarste Teil eines viel größeren Systems.
Warum Menschen vor der Kamera einen Unterschied machen
Ein weiterer Punkt, der in der Folge hängen bleibt: Ilka war anfangs nicht als Gesicht des Kanals geplant. Irgendwann hat sie es ausprobiert, selbst vor der Kamera ein Baustellenupdate zu geben. Und es hat funktioniert. Sie erzählt, dass die Menschen noch einmal anders dranbleiben, wenn jemand persönlich erklärt, was passiert. Ein erstes Video brachte rund 600 neue Follower. Seitdem achtet sie auf eine Mischung: mal erklärt sie selbst etwas, mal kommen Projektleiter:innen oder andere Beteiligte vor die Kamera. Auch das ist ein Learning, das weit über Baustellen hinausgeht. Komplexe Themen werden verständlicher, wenn Menschen sie erklären. Nicht perfekt, nicht überinszeniert, nicht wie eine Werbekampagne. Sondern klar, nahbar und mit echtem Bezug zum Thema. Das ist gerade für Behörden spannend. Denn viele Verwaltungsthemen sind erklärungsbedürftig. Aber oft werden sie so kommuniziert, als müssten sie nur korrekt veröffentlicht werden. Korrekt reicht aber nicht immer. Manchmal braucht es ein Gesicht, eine Stimme und jemanden, der übersetzt.
Presse, Social Media und echte Begegnung gehören zusammen
„Ulm baut um“ ist kein Beispiel dafür, dass Social Media alles andere ersetzt. Im Gegenteil. Die Stadt Ulm arbeitet laut Ilka eng mit der Presse zusammen, organisiert Pressegespräche, lädt zu Baustellenterminen ein und stellt Informationen bereit. Dazu kommen Baustellenführungen, Infopunkte und sogar ein Info-Container. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, weil Behördenkommunikation häufig noch in einzelnen Kanälen gedacht wird: Pressemitteilung oder Instagram. Website oder Newsletter. Veranstaltung oder Reel. Die Folge zeigt aber: Starke Kommunikation entsteht, wenn diese Dinge zusammenspielen. Ein Reel kann Aufmerksamkeit erzeugen. Ein Newsletter kann verlässlich informieren. Eine App kann Details bündeln. Die Lokalzeitung kann Reichweite und Einordnung schaffen. Eine Baustellenführung kann Vertrauen aufbauen, weil Menschen vor Ort sehen, was passiert. Nicht jeder Kanal muss alles leisten. Aber jeder Kanal kann eine klare Aufgabe übernehmen.
Was andere Behörden daraus lernen können
„Ulm baut um“ ist nicht deshalb spannend, weil jetzt jede Stadt sofort einen Baustellenkanal starten sollte. Das wäre zu kurz gedacht. Spannend ist der Grundgedanke dahinter: Die Stadt nimmt ein Thema, das viele Menschen nervt, und macht es nicht kleiner. Sie erklärt es größer. Sichtbarer. Verständlicher. Konkreter. Genau daraus können andere Behörden lernen. Denn fast jede Verwaltung hat solche Themen: Innenstadtumbau, Mobilitätswende, Klimaanpassung, Schulbau, Kita-Ausbau, Unterbringung, Digitalisierung, Katastrophenschutz oder große Beteiligungsprozesse. Themen, die langfristig laufen. Themen, die viele Menschen betreffen. Themen, die Kritik auslösen. Themen, bei denen Erklärung wichtiger ist als reine Bekanntmachung. Die Frage ist dann nicht: Wie machen wir daraus schönen Content? Sondern: Wie machen wir sichtbar, warum dieses Thema wichtig ist?
Jetzt reinhören
In dieser Folge sprechen wir mit Ilka Koschak von der Stadt Ulm über den Instagram-Kanal „Ulm baut um“, über Baustellenkommunikation, große Maschinen, Zeitraffer, Livestreams, Pressearbeit, Community Management und die Frage, warum ein Reizthema manchmal der beste Ausgangspunkt für starke Behördenkommunikation ist. Eine Folge für alle, die wissen wollen, wie Verwaltung schwierige Themen nicht nur verwalten, sondern verständlich erzählen kann.
Kleinstadtniveau Podcast: Ulm baut um – Von der Baustellenkommunikation zum „Behörden-DMAX“
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