Marburg-Liebe: Social Media remote steuern – wie Vertrauen virale Reichweite schafft
Ein Podcast-Gespräch über Stadtmarketing, Mut zur Kreativität und hybride Teams in der Verwaltung
Was passiert, wenn man einer 23-Jährigen die Social-Media-Kanäle einer Stadt anvertraut – und sie aus Japan arbeiten lässt? In Folge #75 des Kleinstadtniveau-Podcasts sprechen Julia und Christian mit Luzie Marie Hegele und Jan Röllmann vom Stadtmarketing Marburg über genau diese Frage und Marburg-Liebe. Herausgekommen ist ein ehrliches, inspirierendes Gespräch über Vertrauen, moderne Führung und die Kunst, Menschen für eine Stadt zu begeistern – digital, empathisch und viral.
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Weitere InformationenWarum „Marburg-Liebe“ mehr ist als ein Hashtag
Der Instagram-Kanal „Marburg-Liebe“ ist kein klassischer Stadt-Account. Er ist Identifikationsort, Sprachrohr und kultureller Anker für viele Menschen – ob sie in Marburg wohnen, studieren oder längst weggezogen sind. Mit Formaten wie dem „Marburg-Liebe-Montag“, humorvollen Reels oder emotionalen Kurzporträts bringt das Social-Media-Team nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch echte Bindung.
So wurde ein Reel, in dem Jan Röllmann (Geschäftsführer des Stadtmarketings) Marburg in Gen-Z-Sprache erklärt, zum viralen Hit – über 80.000 Views, zahllose Kommentare und geteilte Storys. Und das ganz ohne bezahlte Reichweite.
„Manchmal reicht es, wenn sich ein Oberbürgermeister nicht in Szene setzt – sondern über sich lachen kann.“
Jan Röllmann, Kleinstadtniveau Podcast Folge #75
Remote-Arbeit in der Verwaltung: Vertrauen als Führungsprinzip
Luzie Marie Hegele lebt in Japan. Trotzdem leitet sie das Social-Media-Team des Marburger Stadtmarketings. Möglich ist das nur, weil sie nicht kontrolliert, sondern vertraut wird. In wöchentlichen Calls, klaren Verantwortlichkeiten und durch gezielte Übergaben an Werkstudent*innen vor Ort entsteht ein hybrides Modell, das für viele Behörden noch unvorstellbar wäre – in Marburg ist es Alltag.
„Vertrauen heißt, jemanden arbeiten zu lassen, der tausende Kilometer entfernt ist – und trotzdem Teil des Teams bleibt.“
Für die Verwaltung der Zukunft bedeutet das: Moderne Kommunikation erfordert nicht nur Tools – sondern vor allem eine neue Haltung. Die Bereitschaft, jungen Menschen Verantwortung zu geben, auch wenn man ihnen nicht über die Schulter schauen kann.
Warum mutige Kommunikation den Unterschied macht
Ein entscheidender Erfolgsfaktor von „Marburg-Liebe“ ist die Kommunikationsfreiheit. Das Stadtmarketing ist als eingetragener Verein organisiert – unterstützt von der Stadt, aber mit redaktioneller Unabhängigkeit. Das ermöglicht Inhalte, die auf offiziellen Kanälen oft nicht möglich wären: Memes mit Augenzwinkern, persönliche Einblicke, mutige Ideen.
Unangenehme Frage:
Warum darf ein Verein in Marburg mutiger kommunizieren als die Stadt selbst – und warum sind es oft genau die Inhalte, die Politiker*innen nicht posten dürfen, aber später stolz in ihrer Story teilen?
Diese Mischung aus Nahbarkeit, Tempo und Verantwortung schafft genau die Glaubwürdigkeit, die Bürger*innen heute erwarten – auch in der Verwaltungskommunikation.
Praxisimpulse für Kommunen: Was sich andere abschauen können
Aus dem Gespräch mit Luzie und Jan lassen sich fünf klare Impulse für Verwaltungen und kommunale Öffentlichkeitsarbeit ableiten:
- Remote-Work möglich machen – auch über Ländergrenzen hinweg.
- Verantwortung statt Kontrolle – besonders bei Social Media.
- Junge Talente fördern – nicht nur gewinnen, sondern halten.
- Formate etablieren – wie „Was geht am Wochenende?“ oder „Ladenlieblinge“.
- Mut zur Persönlichkeit – Menschen folgen Menschen, nicht Behördenlogos.
Und: Der Erfolg muss nicht immer in Likes gemessen werden. Oft zeigt sich Wirkung in ausverkauften Veranstaltungen, vollen Geschäften oder begeisterten Kommentaren.
Nachgedacht: Vertrauen macht den Unterschied
Was viele Behörden über komplexe Strategien oder Corporate Designs lösen wollen, passiert bei „Marburg-Liebe“ durch ein starkes Teamgefühl – und durch echtes Vertrauen.
„Der Instagram-Account Marburg-Liebe funktioniert nicht, weil alles perfekt ist – sondern weil echte Menschen mit echter Verbundenheit zeigen, was ihre Stadt besonders macht.“
Es geht nicht um Hochglanz oder PR. Sondern um Nähe, Relevanz und Empathie. Und darum, die Stadt nicht nur zu verwalten – sondern sie auch zu erzählen.
💬 Und du?
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