Emojis in der Behördenkommunikation: Mehr als bunte Bildchen
Gastbeitrag von Tanja Laub
Ein Leitfaden für alle, die in Kommunen und Behörden mit Bürgern kommunizieren
Behördenkommunikation hat oft den Ruf, trocken und bürokratisch zu sein. Daher setzen wir einfach ein paar lustige Smileys und lockern die Kommunikation auf. Eine gute Idee? Ja oder nein? Was denken Sie?
Die kurze Antwort: Ja, aber mit Bedacht.
Emojis verbessern bei richtigem Einsatz die Bürgerkommunikation. Sie reduzieren die Distanz zwischen Verwaltung und Bürgern, transportieren Emotionen, vermitteln Freundlichkeit und machen trockene Behördentexte menschlicher. Gleichzeitig bergen sie Risiken, die viele unterschätzen. Bei falschem Einsatz führen sie zu Missverständnissen, unprofessionellem Auftreten und ungewollten politischen Botschaften.
Emojis übernehmen in der digitalen Kommunikation wichtige Funktionen, die in der persönlichen Begegnung durch Mimik, Gestik und Tonfall erfüllt werden.
Wie bei jedem Werkzeug gilt: Die richtige Anwendung entscheidet über Erfolg oder Fiasko.
In diesem Leitfaden erfahren Sie:
- Warum Emojis in der Bürgerkommunikation wichtig sind
- Warum Emojis mehr sind als Dekoration
- Wo die größten Stolperfallen lauern
- Welche Emojis Sie meiden sollten
Warum Emojis in der Bürgerkommunikation wichtig sind
In der persönlichen Begegnung am Schalter sieht die Bürgerin Ihr Lächeln, hört Ihre freundliche Stimme und spürt Ihre zugewandte Körperhaltung. All das fehlt in der digitalen Kommunikation. Eine E-Mail oder ein Social-Media-Post transportiert nur Worte. Ob diese freundlich, neutral oder ablehnend gemeint sind, muss der Empfänger erraten. Das führt regelmäßig zu Missverständnissen.
Emojis füllen genau diese Lücke. Sie ersetzen das Lächeln, den aufmunternden Blick oder die beruhigende Handbewegung. Ohne sie wirken selbst freundlich gemeinte Nachrichten schnell kalt oder bürokratisch.
Besonders in der Bürgerkommunikation ist diese menschliche Note entscheidend. Viele Menschen haben Berührungsängste mit Behörden – sie erwarten komplizierte Formulare, lange Wartezeiten und unfreundliche Behandlung. Ein gut platzierter Smiley kann diese Vorurteile durchbrechen und signalisieren: „Wir sind auch nur Menschen und helfen gerne.”
Anders als im privaten Umfeld haben Bürger:innen keine Wahl – sie müssen mit Behörden kommunizieren, ob sie wollen oder nicht. Ein falscher Ton kann bestehende Vorurteile verstärken und Vertrauen nachhaltig beschädigen.
Richtig eingesetzte Emojis signalisieren Offenheit und Zugänglichkeit. Ein freundliches Gesicht neben einer Terminbestätigung vermittelt: „Wir freuen uns auf Sie”.
Emojis erfüllen wichtige Funktionen
Konkret übernehmen Emojis in der digitalen Bürgerkommunikation vier zentrale Aufgaben:
- Emotionen transportieren: Ein freundlicher Smiley 😊 signalisiert Zugänglichkeit und Hilfsbereitschaft und macht deutlich, dass die Nachricht positiv gemeint ist.
- Botschaften auflockern: Trockene behördliche Texte wirken mit einem gezielt platzierten Emoji weniger distanziert und fördern eine vertrauensvolle Atmosphäre.
- Informationen unterstützen: Bestimmte Emojis helfen dabei, wichtige Punkte hervorzuheben: ⚠️ für wichtige Hinweise, 📅 für Termine, ✅ für erledigte Aufgaben.
- Missverständnisse vermeiden: Gerade bei knappen Antworten helfen Emojis dabei, den intendierten Ton zu verdeutlichen. Ein einfaches „Vielen Dank für Ihre Nachricht 😊” signalisiert Freundlichkeit, während dieselbe Nachricht ohne Emoji neutral oder distanziert wirken könnte.
Warum Emojis auch problematisch sein können
Emojis machen Texte sympathisch, können jedoch schnell missinterpretiert werden – was für den einen freundlich wirkt, kann für einen anderen herablassend oder unprofessionell erscheinen.
Seien Sie sich bewusst, dass manche Emojis eine Doppelbedeutung haben können. Der Zwinker-Smiley 😉 wird als vieldeutig oder herablassend wahrgenommen und sollte in der behördlichen Kommunikation vermieden werden.
Noch problematischer sind versteckte Bedeutungen, die sich über die Jahre entwickelt haben. Viele alltägliche Emojis haben versteckte, oft sexuelle Bedeutungen entwickelt. Folgende Symbole sollten Sie in der behördlichen Kommunikation meiden:
Sexuelle Konnotationen: Emojis wie 🍆 (Aubergine), 🍑 (Pfirsich), 🌮 (Taco) oder 💦 (Wassertropfen) werden häufig in sexuellen Kontexten verwendet. Auch scheinbar harmlose Emojis wie 👉👈 (Zeigefinger) oder 🥵 (erhitztes Gesicht) können missverständlich interpretiert werden.
Bestimmte Symbole werden zudem von extremistischen Gruppen als geheime Codes missbraucht. Was für viele ein harmloses Symbol ist, kann in bestimmten Kontexten Ideologien transportieren.
Extremistische Gruppen nutzen codierte Kommunikation strategisch. Sie umgehen automatische Moderationssysteme, schaffen Erkennungsmerkmale unter Gleichgesinnten und normalisieren subtil ihre Ideologien. Bei Kritik ziehen sie sich auf die harmlose Bedeutung zurück.
Extremistische Codes:
- 💙 Blaues Herz: Erkennungszeichen für die AfD und rechte Gruppen (Blau als Parteifarbe).
- 🐸 Frosch: Verweis auf „Pepe den Frosch”, Maskottchen der Alt-Right-Bewegung.
- 🙋 Winkende Person: Alternative zum Hitlergruß.
- 🤡 Clown: „Clown-World” – Delegitimierung demokratischer Politik.
Zahlencodes:
- 88: „Heil Hitler” (H als 8. Buchstabe im Alphabet).
- 18: „Adolf Hitler” (A=1, H=8).
- 14: Bezieht sich auf die „14 Words”, ein Slogan aus der White-Supremacy-Bewegung.
- 1312: Steht für „ACAB” (All Cops Are Bastards).
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in diesem Beitrag: Geheime Symbolik in der digitalen Kommunikation: Die versteckte Sprache der Rechten
Ein Symbol allein macht noch keine extremistische Botschaft. Entscheidend ist der Kontext. Ein Frosch-Emoji in einer Diskussion über Gartentiere ist unbedenklich – dasselbe Symbol in Kombination mit nationalistischen Aussagen ist problematisch.
Ein Symbol allein macht noch keine extremistische Botschaft. Entscheidend ist der Kontext. Ein Frosch-Emoji in einer Diskussion über Gartentiere ist unbedenklich – dasselbe Symbol in Kombination mit nationalistischen Aussagen ist problematisch. Die Zahl 88 kann ein Geburtsjahr sein. Ein blaues Herz als Ausdruck der Vereinstreue ist normal – in einem politischen Kontext mit weiteren verdächtigen Elementen sollten Sie genauer hinschauen.
Best Practices: Emojis professionell einsetzen
Die Grundregeln für Behörden
1. Weniger ist mehr
Verwenden Sie Emojis sparsam – maximal ein bis zwei pro Nachricht. Übermäßiger Gebrauch wirkt unprofessionell und lenkt von der Kernbotschaft ab.
2. Eindeutige Symbole wählen
Nutzen Sie nur Emojis, bei deren Bedeutung Sie sich sicher sind:
- ✅ Empfehlenswert: 😊 👍 ℹ️ ✅ ❗ 📝 💡
- ❌ Problematisch: 😉 🍆 🍑 💦 🐸 💙 🙋
3. Kontext beachten
Verwenden Sie in ernsten Situationen oder bei Beschwerden keine Emojis.
Bevor Sie ein Emoji verwenden:
- Sind Sie sich der Bedeutung 100%ig sicher?
- Kann es missverstanden werden?
- Passt es zum behördlichen Kontext?
Bei Unsicherheiten: Konsultieren Sie emojipedia.org für aktuelle Bedeutungen und Interpretationen.
Fazit: Mit Bedacht zur besseren Bürgerkommunikation
Emojis können Distanz abbauen, Missverständnisse reduzieren und eine freundlichere Atmosphäre schaffen. Doch wie jedes Werkzeug müssen sie fachgerecht eingesetzt werden.
Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie das Emoji weg. Eine klare, höfliche Formulierung ohne Emojis ist immer besser als ein missverständliches Symbol.
Für die Praxis bedeutet das:
- Schulen Sie alle Mitarbeitenden in der Bürgerkommunikation
- Entwickeln Sie klare Leitlinien für die Emoji-Verwendung
- Regelmäßige Updates zu neuen problematischen Codes
- Im Zweifel: Professionelle Zurückhaltung vor kreativer Ausdrucksweise
Emojis können die Bürgerkommunikation bereichern – aber nur dann, wenn sie bewusst und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Solltest du Fragen oder Anmerkungen haben, schicke uns gerne eine E-Mail an hallo@amtshelden.de. Ihr kommt in eurer Stadt mit Social Media nicht wirklich voran? Dann haben wir vielleicht was für dich – schau dir mal unser Amtfluencer-Programm an.
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