Desinformation in Behörden: Warum gute Kommunikation heute zur Daseinsvorsorge gehört
Wer heute in einer Behörde kommuniziert, veröffentlicht nicht einfach Informationen. Er konkurriert mit Gerüchten in WhatsApp-Gruppen, emotionalen Beiträgen auf Social Media und Meldungen, die sich innerhalb weniger Minuten tausendfach verbreiten. Das gilt nicht nur in Krisen. Auch im Alltag entstehen immer wieder falsche Behauptungen über Entscheidungen, Projekte oder Abläufe in Verwaltungen.
Viele Behörden reagieren darauf erst, wenn sich ein Gerücht bereits verselbstständigt hat. Doch genau darin liegt das Problem. Desinformation lässt sich kaum vollständig zurückholen, wenn sie sich einmal verbreitet hat. Deshalb stellt sich nicht mehr die Frage, ob Behörden kommunizieren sollten, sondern wie sie Vertrauen aufbauen können, bevor die nächste Falschmeldung auftaucht.
In der neuen Folge unseres Podcasts Kleinstadtniveau spricht Alexander Sängerlaub darüber, wie sich unsere Informationswelt verändert hat, warum Vertrauen in staatliche Institutionen sinkt und welche Rolle Behörden dabei spielen. Seine zentrale Botschaft: Gute Kommunikation ist heute keine Zusatzaufgabe mehr. Sie gehört zum Kern staatlichen Handelns.
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Weitere InformationenDesinformation beginnt selten mit einer Lüge
Wenn von Desinformation die Rede ist, denken viele sofort an professionell produzierte Fake News oder an gezielte Kampagnen aus dem Ausland. Tatsächlich entsteht ein großer Teil falscher Informationen viel unspektakulärer. Jemand erzählt etwas weiter, weil er es selbst für glaubwürdig hält. Eine unvollständige Information wird ergänzt. Ein Gerücht entwickelt sich weiter. Innerhalb kurzer Zeit entsteht daraus eine Geschichte, die immer mehr Menschen für wahr halten.
Gerade kommunale Verwaltungen kennen solche Situationen. Plötzlich heißt es, ein Bauprojekt sei beschlossen, obwohl es noch im Ausschuss liegt. Angeblich werde ein Bürgeramt geschlossen oder Gebühren würden drastisch steigen. Oft steckt dahinter keine gezielte Manipulation. Trotzdem können solche Behauptungen erheblichen Schaden anrichten. Alexander Sängerlaub beschreibt genau diesen Mechanismus im Podcast. Nicht jede Desinformation entsteht mit böser Absicht. Viele Falschmeldungen verbreiten sich ähnlich wie Gerüchte und gewinnen mit jeder Weitererzählung an Glaubwürdigkeit.
Warum Vertrauen wichtiger ist als jede Gegendarstellung
Viele Kommunikationsabteilungen reagieren reflexartig auf falsche Behauptungen. Sie veröffentlichen Richtigstellungen, beantworten Kommentare oder schreiben Pressemitteilungen. Das kann sinnvoll sein. Es löst aber nicht das eigentliche Problem. Menschen glauben Informationen vor allem dann, wenn sie der Quelle vertrauen. Fehlt dieses Vertrauen, helfen selbst sachlich richtige Antworten oft nur begrenzt. Alex verweist im Podcast auf skandinavische Länder, in denen das Vertrauen in Politik, Medien und staatliche Institutionen deutlich höher ist. Dort erleben Bürgerinnen und Bürger häufiger, dass Probleme tatsächlich gelöst werden. Dieses Vertrauen wirkt sich unmittelbar darauf aus, wie Informationen aufgenommen werden. In Deutschland hingegen sinkt das Vertrauen, wenn Menschen über Jahre den Eindruck gewinnen, dass wichtige Probleme ungelöst bleiben.
Für Behörden bedeutet das: Kommunikation beginnt nicht erst bei der Pressemitteilung. Jede nachvollziehbare Entscheidung, jede transparente Erklärung und jede verlässliche Auskunft zahlt langfristig auf Vertrauen ein.
Krisen sind der Moment, in dem Kommunikation entscheidet
Besonders deutlich wird das bei außergewöhnlichen Ereignissen. Ob Hochwasser, Stromausfälle oder andere Krisen: Wenn Unsicherheit entsteht und schnelle Antworten fehlen, wächst der Raum für Spekulationen. Menschen versuchen, Informationslücken selbst zu schließen. Gerüchte verbreiten sich oft schneller als offizielle Meldungen.
Deshalb reicht es nicht aus, erst Tage später ausführlich zu informieren. Behörden müssen früh sichtbar sein, Orientierung geben und regelmäßig erklären, was bekannt ist und was noch nicht. Im Podcast verweist Alex auf Erfahrungen aus Krisensituationen wie dem Ahrtal oder Naturkatastrophen in den USA. Dort zeigte sich immer wieder, dass sich Falschinformationen besonders dann verbreiten, wenn Menschen über längere Zeit keine klaren Antworten erhalten.
Jede Behörde braucht professionelle Kommunikation
Ein weiterer Punkt aus dem Gespräch betrifft die Organisation selbst. Kommunikation wird in vielen Verwaltungen noch immer nebenbei erledigt. Social Media übernimmt das Praktikum, Pressearbeit läuft zusätzlich zum Tagesgeschäft oder es fehlen klare Zuständigkeiten. Für Alex ist das ein Fehler. Wer heute glaubwürdig kommunizieren möchte, braucht Menschen, die dieses Handwerk beherrschen. Kommunikation entscheidet darüber, ob Bürgerinnen und Bürger Vertrauen entwickeln oder ob Gerüchte die öffentliche Debatte bestimmen. Deshalb sollte sie denselben Stellenwert haben wie andere zentrale Aufgaben einer Verwaltung.
Professionelle Kommunikation bedeutet dabei nicht zwangsläufig, auf jeder Plattform aktiv zu sein. Viel wichtiger ist die Frage, welche Kanäle tatsächlich einen Mehrwert bieten und wo die eigenen Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden. Eine kleine Kommune muss nicht jede neue Plattform bespielen. Entscheidend ist, dass die Informationen dort ankommen, wo die Bürgerinnen und Bürger sie erwarten.
Nicht jeder Angriff verdient eine Antwort
Eine weitere Erkenntnis aus dem Podcast klingt zunächst widersprüchlich: Manchmal ist es besser, nicht auf jede Desinformation sofort zu reagieren. Wer jede absurde Behauptung öffentlich widerlegt, sorgt unter Umständen erst dafür, dass sie eine größere Reichweite bekommt. Genau auf diesen Mechanismus setzen professionelle Desinformationskampagnen häufig.
Alex beschreibt das am Beispiel der Strategie „Flood the Zone with Bullshit“. Ziel ist es, den öffentlichen Diskurs mit möglichst vielen falschen oder irreführenden Aussagen zu überfluten. Wer jede einzelne Behauptung aufgreift, trägt unfreiwillig zu ihrer Verbreitung bei. Stattdessen brauchen Behörden klare Kriterien dafür, wann eine Reaktion notwendig ist und wann es sinnvoller ist, eigene Themen konsequent weiterzuführen.
Gute Kommunikation schafft Handlungsspielräume
Kommunikation wird häufig als Begleitung politischer Entscheidungen verstanden. Tatsächlich beeinflusst sie aber auch, ob Entscheidungen überhaupt akzeptiert werden. Wenn Bürgerinnen und Bürger nachvollziehen können, warum eine Maßnahme notwendig ist, welche Alternativen geprüft wurden und welche Folgen zu erwarten sind, entsteht eine andere Gesprächsgrundlage. Das verhindert nicht jede Kritik. Es reduziert aber Unsicherheit und schafft Orientierung.
Gerade Kommunen haben hier einen Vorteil. Sie sind nah an den Menschen. Entscheidungen betreffen den Alltag unmittelbar. Wer diese Nähe nutzt, regelmäßig erklärt und den Dialog sucht, stärkt langfristig das Vertrauen in die eigene Verwaltung. Desinformation wird sich dadurch nicht vollständig verhindern lassen. Aber sie findet deutlich schlechteren Boden, wenn Menschen wissen, wo sie verlässliche Informationen erhalten.
Kommunikation ist deshalb keine Nebensache. Sie gehört heute zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Genau darüber lohnt es sich, in Verwaltungen intensiver zu sprechen. Der Podcast mit Alexander Sängerlaub liefert dafür viele konkrete Denkanstöße und zeigt, warum Vertrauen nicht erst in der Krise entsteht, sondern lange davor.
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