Jugendbeteiligung scheitert selten an Jugendlichen – sie scheitert an Erwachsenen
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Weitere InformationenWarum Behörden ein neues Verständnis von Beteiligung brauchen
Viele Behörden formulieren heute ein klares Ziel:
Sie wollen „die junge Zielgruppe“ erreichen.
Ob in Digitalstrategien, Markenprozessen, Leitbildern oder Beteiligungskonzepten – der Wunsch taucht überall auf.
Doch sobald der Anspruch in Verwaltungsalltag übersetzt werden soll, zeigt sich ein Muster:
Wir reden häufig über junge Menschen, aber selten mit ihnen.
Wir bauen Prozesse, die für Erwachsene funktionieren.
Wir entwickeln Formate, die an unserer Logik orientiert sind – nicht an der Lebensrealität von Jugendlichen.
Und wir überschätzen massiv, was ein Social-Media-Post leisten kann.
Die unbequeme Wahrheit lautet:
Jugendbeteiligung scheitert selten an Jugendlichen.
Sie scheitert an den Strukturen, Routinen und Haltungen der Erwachsenenwelt – besonders im öffentlichen Sektor.
8 Impulse, die Behörden sofort weiterbringen
1. Haltung vor Methode
Bevor ein Fachbereich ein Beteiligungsformat plant, braucht es eine Grundfrage:
Sind wir wirklich bereit zuzuhören?
In Behörden wird oft mit Konzepten begonnen – aber Beteiligung beginnt mit Haltung, nicht mit Tools.Menschen ein – durch Umfragen, Sprechstunden, Q&A-Formate oder Jugendbeteiligungsstrukturen. Beteiligung schafft eine Bindung.
2. Macht teilen – ernsthaft
Beteiligung ohne Entscheidungsspielraum ist Beschäftigungstherapie.
Wer Jugendliche einlädt, muss bereit sein, Perspektiven einfließen zu lassen, Prozesse anzupassen und Verantwortung zu teilen.
Für Behörden bedeutet das: weniger Kontrolle, mehr Dialog.
3. Kontinuierliche Gespräche statt punktueller Befragungen
Einmalige Workshops bringen wenig.
Jugendliche wollen regelmäßige Begegnungen – niedrigschwellig, ohne Hierarchie, ohne Erwartungsdruck.
Behörden brauchen dafür feste Formate, die nicht alle zwei Jahre neu erfunden werden.
4. Social Media ist ein Werkzeug – kein Ersatz
Ein gutes Reel kann Aufmerksamkeit schaffen, aber keine Beziehung.
Jugendliche erscheinen nicht im Rathaus wegen Instagram.Begegnungen entstehen dort, wo sie sich ohnehin aufhalten:
in Schulen, Vereinen, Jugendhäusern, im ÖPNV, in digitalen Communities.
5. Erwachsene müssen Erwachsene bleiben
Jugendliche wollen kein künstliches „Wir reden jetzt jugendlich“.
Sie wollen Ehrlichkeit: Menschen, die zugeben, wenn sie etwas nicht wissen, die Fehler eingestehen und authentisch sprechen.
Behörden gewinnen Vertrauen nicht durch Jugendsprech – sondern durch Verlässlichkeit.
6. Kleine Hebel zuerst – große Themen später
Der ÖPNV, der Fachkräftemangel oder Schulsanierungen sind komplexe Systeme.
Aber der Schulweg, der Jugendtreff, das WLAN, die Bushaltestelle – das sind Themen mit Wirkung.
Behörden stärken Beteiligung, wenn sie Erfolge ermöglichen, bevor sie Prozesse versprechen.
7. Ergebnisse sichtbar machen
Nichts tötet Beteiligung schneller als Schweigen.
Jugendliche brauchen Rückmeldungen – schnell, ehrlich, transparent.
„Was ihr uns gesagt habt – und was wir daraus gemacht haben“ ist einer der wertvollsten Sätze, die eine Behörde sagen kann.
8. Jugendliche als Expert:innen ernst nehmen
Jugendliche sind Expertinnen und Experten für ihre Lebensrealität – und Verwaltung für ihre Strukturen.
Beteiligung heißt: beide Expertisen zusammenbringen, nicht gegeneinanderstellen.
Das öffnet nicht nur Dialogräume, sondern verbessert auch Entscheidungen und Akzeptanz.
Warum Jugendbeteiligung für Behörden kein Randthema ist
Der demografische Wandel verschiebt Machtverhältnisse.
Politische Debatten werden komplexer.
Demokratische Institutionen stehen stärker unter Druck.
Wenn Behörden heute Wege finden, junge Menschen einzubeziehen, stärken sie:
- Vertrauen
- Legitimation
- Entscheidungsqualität
- Innovationsfähigkeit
- Demokratische Resilienz
Kurz gesagt:
Jugendbeteiligung ist Daseinsvorsorge.
Und Zukunftssicherung.
Dr. Anna Grebe
Dr. Anna Grebe gehört zu den profiliertesten Stimmen für Jugendbeteiligung in Deutschland. Sie hat Literatur, Kunst und Medien in Konstanz studiert und anschließend im Bereich Medientheorie und Disability Studies promoviert. Seit mehr als einem Jahrzehnt berät sie Kommunen, Landesregierungen, Bundesministerien und Jugendverbände dabei, wie Beteiligung gelingen kann und welche Strukturen es braucht, damit junge Menschen wirklich mitgestalten können. Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Expertise mit der Realität vor Ort: von kleinen Kommunen im Schwarzwald bis hin zum Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Darüber hinaus wirkt Anna als Dozentin an Hochschulen und in der politischen Bildung, als Speakerin auf Konferenzen, als Autorin, Bloggerin und Podcasterin. Ihre Podcastformate – darunter „berufsjugendlich“ und „22 Millionen: Kinder und Jugendliche im Fokus“ für das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend – zeigen eindrucksvoll, wie klar sie komplexe Themen erklären kann. Anna arbeitet an der Schnittstelle von Jugend, Politik und digitaler Öffentlichkeit und steht für eine Haltung, die in Behörden oft fehlt: ernst gemeinte Beteiligung, klare Sprache und die Überzeugung, dass junge Menschen Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt sind.
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