Führung in Verwaltungen unter Druck: Bücher, Studien und Impulse für den Einstieg
Führung in Verwaltungen ist anspruchsvoller geworden. Aufgaben werden komplexer, Ressourcen knapper, Erwartungen höher. Gleichzeitig sind Menschen in kommunaler Verantwortung heute sichtbarer, angreifbarer und emotional stärker gefordert. Bürgermeister:innen, Amtsleitungen, Teamleitungen und Mitarbeitende mit Verantwortung bewegen sich in einem Spannungsfeld aus politischen Erwartungen, Bürgerkontakt, öffentlicher Kritik, internen Belastungen und gesellschaftlicher Verunsicherung.
Wer in diesem Umfeld führt, braucht mehr als Fachwissen, gute Organisation und Erfahrung im System. Es braucht Klarheit, Konfliktfähigkeit, Selbstwahrnehmung, Schutz für Mitarbeitende und die Fähigkeit, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Gerade in Verwaltungen wird Führung damit zu einem der wichtigsten Zukunftsthemen. Denn sie entscheidet darüber, ob Teams stabil bleiben, ob Konflikte früh genug bearbeitet werden, ob Mitarbeitende sich geschützt fühlen und ob Verantwortung auch dann getragen werden kann, wenn es schwierig wird.
Für alle, die sich tiefer mit diesem Thema beschäftigen möchten, haben wir eine Auswahl an Studien, Büchern, Videos und Impulsen zusammengestellt. Keine vollständige Literaturliste, kein wissenschaftlicher Überblick, sondern eine kuratierte Sammlung für Menschen, die in Verwaltung, Politik oder kommunaler Führung Verantwortung tragen und das Thema Führung ernster nehmen wollen.
Wenn kommunale Verantwortung persönlich wird
Wer in einer Kommune Verantwortung trägt, ist sichtbar. Bürgermeister:innen, Amtsleitungen und Mitarbeitende in Verwaltungen sind oft die ersten Ansprechpersonen, wenn Menschen frustriert, verunsichert oder wütend sind. Das gehört in Teilen zur kommunalen Demokratie. Gleichzeitig zeigen aktuelle Untersuchungen, dass der Druck auf kommunale Verantwortungsträger:innen längst eine eigene Dimension erreicht hat.
Das Kommunale Monitoring zu Hass, Hetze und Gewalt gegenüber Amtsträgerinnen und Amtsträgern wird seit 2021 in halbjährlichen bundesweiten Befragungen durchgeführt. Der Deutsche Städtetag beschreibt, dass Anfeindungen für viele Betroffene zum Alltag gehören und nicht nur einzelne Personen belasten, sondern auch kommunale Aufgabenerfüllung und demokratische Kultur vor Ort betreffen. Das Bundeskriminalamt verweist ebenfalls darauf, dass Kommunalpolitiker:innen weiterhin deutlich von Hass und Hetze betroffen sind.
Auch die Körber-Stiftung beschäftigt sich mit dem Portal Stark im Amt intensiv mit dieser Entwicklung. In einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2021 gaben 57 Prozent der befragten Bürgermeister:innen an, bereits Beleidigungen, Bedrohungen oder tätlichen Angriffen ausgesetzt gewesen zu sein.
Diese Zahlen machen deutlich: Druck auf kommunale Verantwortungsträger:innen ist kein individuelles Belastungsthema einzelner Personen. Es betrifft die Arbeitsfähigkeit der kommunalen Demokratie. Wenn Menschen, die Verantwortung übernehmen, immer häufiger mit persönlichen Angriffen, Einschüchterung oder digitaler Hetze rechnen müssen, verändert das ihr Verhalten, ihre Sichtbarkeit und im schlimmsten Fall auch ihre Bereitschaft, Verantwortung weiter zu tragen.
Warum Teams psychologische Sicherheit brauchen
Führung unter Druck zeigt sich nicht nur nach außen, sondern auch im Inneren einer Organisation. In vielen Verwaltungen werden Probleme spät sichtbar. Neue Mitarbeitende kommen in Systeme, in denen vieles informell läuft. Konflikte werden lange mitgetragen. Führungskräfte merken manchmal erst in der Eskalation, dass vorher wichtige Gespräche gefehlt haben.
Hier lohnt sich der Blick auf Amy Edmondson und ihr Konzept der psychologischen Sicherheit. Edmondson beschreibt damit einen Rahmen, in dem Menschen Probleme, Fehler, Unsicherheit und Widerspruch ansprechen können, ohne Bloßstellung oder Bestrafung befürchten zu müssen. Ihr Buch „The Fearless Organization“ bietet einen praxisnahen Zugang zu einer Arbeitskultur, in der Lernen, offene Kommunikation und gesunde Innovation möglich werden.
Für Verwaltungen ist das hochrelevant. Gerade dort, wo viele Menschen loyal, pflichtbewusst und belastet arbeiten, braucht es Räume, in denen Schwierigkeiten früh ausgesprochen werden können. Psychologische Sicherheit bedeutet dabei nicht, dass alles bequem wird oder jede Spannung vermieden werden soll. Sie beschreibt eher einen verlässlichen Rahmen, in dem schwierige Dinge angesprochen werden können, bevor sie zum Problem für das ganze System werden.
Passend dazu gibt es von Amy Edmondson auch gut zugängliche Videos, etwa ihren TEDx-Talk „Building a psychologically safe workplace“, der sich als Einstieg in das Thema eignet. Auf ihrer Website verweist Edmondson selbst auf Bücher, Videos und Materialien zum Thema psychologische Sicherheit.
Warum nicht jeder Konflikt wegmoderiert werden kann
Viele Führungskräfte versuchen, schwierige Situationen möglichst ruhig und professionell zu halten. Das ist nachvollziehbar, vor allem in Verwaltungen, in denen Sitzungen, Bürgerkontakt und interne Abstimmungen oft von Ausgleich geprägt sind. Problematisch wird es, wenn Konflikte nur noch gedämpft werden und dadurch länger im System bleiben.
Dazu passt das Buch „Die Kunst des Konflikts“ von Klaus Eidenschink. Der Carl-Auer Verlag beschreibt den Kern des Buches als Fähigkeit, Konflikte so zu regulieren, dass ihre Ressourcen genutzt und ihre Risiken begrenzt werden. In einer weiteren Beschreibung wird deutlich, dass es auch darum geht, welche Konflikte geführt werden sollten und von welchen man besser Abstand hält.
Für kommunale Führungskräfte ist diese Unterscheidung wichtig. Nicht jede Spannung ist ein Zeichen des Scheiterns. Manche Konflikte machen sichtbar, was ohnehin im System liegt. Andere fressen Energie, ohne etwas zu klären. Führung braucht deshalb die Fähigkeit, Konflikte zu lesen: Was muss ausgesprochen werden? Wo braucht es Begrenzung? Wo wird durch dauerhaftes Beschwichtigen alles schlimmer?
Gerade in Verwaltungen ist das ein entscheidender Punkt. Wenn Mitarbeitende respektlos behandelt werden, wenn Sitzungen kippen oder wenn persönliche Angriffe stehen bleiben, reicht eine gute Moderation irgendwann nicht mehr aus. Dann geht es um Führung, die den Rahmen schützt.
Warum Wirkung in Führung nicht oberflächlich ist
Führung wirkt nicht erst über Inhalte. Menschen nehmen wahr, wie jemand einen Raum betritt, wie jemand spricht, wie jemand mit Druck umgeht und ob Worte, Körper und innere Klarheit zusammenpassen. Gerade Bürgermeister:innen, Amtsleitungen und kommunale Führungskräfte stehen häufig in Situationen, in denen diese Wirkung entscheidend ist: in Gremien, vor Teams, bei öffentlichen Terminen, in Krisen oder im Bürgerdialog.
Einen kommunalen Zugang zu diesem Thema bietet das Buch „Bürgermeisterwahlen gewinnen“, herausgegeben von Dr. Erich Holzwarth. Das Buch beschäftigt sich mit kommunalen Spitzenämtern, Wahlkampf, öffentlichem Auftritt und praktischen Fragen rund um Bürgermeisterwahlen. In der Buchvorschau wird Leila Adjemi ausdrücklich genannt; ihr Beitrag behandelt Körpersprache, Charisma und Übungen, die Kandidat:innen direkt anwenden können.
Der Blick auf Wirkung ist für Verwaltung nicht nur im Wahlkampf relevant. Wer Verantwortung trägt, muss häufig erklären, beruhigen, begrenzen, vermitteln und Entscheidungen vertreten. Dabei geht es nicht um einstudierte Gesten oder künstliche Souveränität. Entscheidend ist, ob Menschen glaubwürdig wirken, weil innere Ausrichtung und äußeres Auftreten zusammenpassen.
Warum Selbstführung zur Führungsarbeit gehört
Führung unter Druck ist auch eine Frage von Selbstwahrnehmung. Wer merkt, wann er oder sie defensiv wird, ausweicht, innerlich kippt oder nur noch reagiert, kann bewusster führen. Gerade in Verwaltungen, in denen Führungskräfte zwischen politischen Erwartungen, rechtlichen Rahmenbedingungen, Bürgerkontakt und internen Belastungen stehen, ist diese Fähigkeit zentral.
Ein Klassiker in diesem Feld ist Daniel Goleman. Seine Sammlung „Leadership: The Power of Emotional Intelligence“ bündelt zentrale Gedanken zu Führung, Selbstwahrnehmung, emotionaler Regulation, sozialen Fähigkeiten und Leistungsfähigkeit. Die offizielle Seite beschreibt das Werk als Sammlung seiner zentralen Erkenntnisse zu Führung.
Für Verwaltungen ist emotionale Intelligenz sehr konkret. Führungskräfte müssen Stimmungen im Raum wahrnehmen, Ärger aushalten, eigene Reaktionen regulieren, Gespräche führen und trotzdem entscheidungsfähig bleiben. Gerade in angespannten Situationen zeigt sich, ob Menschen fachlich stark sind und zugleich emotional stabil genug, um Orientierung zu geben.
Warum Mut und schwierige Gespräche zusammengehören
Führung in Verwaltungen braucht Klarheit, aber Klarheit darf nicht mit Kälte verwechselt werden. Menschen in Verantwortung sollen Orientierung geben, auch wenn sie selbst erschöpft, getroffen oder unsicher sind. Sie müssen schwierige Gespräche führen, Entscheidungen vertreten und Vertrauen aufbauen, ohne sich hinter Rolle oder Funktion zu verstecken.
Dazu passt Brené Brown mit „Dare to Lead“. Brown beschreibt mutige Führung als lernbare Fähigkeit und verbindet sie mit Selbstwahrnehmung, Vertrauen, Werten und der Bereitschaft, schwierige Gespräche zu führen. Auf ihrer offiziellen Seite wird betont, dass mutige Führung erlernbar, beobachtbar und messbar sei.
Diese Empfehlung ist weniger verwaltungsspezifisch als die anderen Quellen, aber als Ergänzung wertvoll. Sie hilft, Führung nicht nur über Kontrolle, Position und Entscheidungsmacht zu denken. Gerade in angespannten Zeiten brauchen Organisationen Menschen, die klar bleiben und zugleich menschlich erreichbar sind.
Direkt bei Leila Adjemi weiterdenken
Wer sich für den Zusammenhang von Führung, Wirkung, Körpersprache und Verantwortung interessiert, kann auch direkt bei Leila Adjemi weiterdenken. Ihr YouTube-Kanal richtet sich laut Beschreibung an Führungskräfte in Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Besonders passend zum Thema ist ihr Video „Führen in Zeiten der Verknappung: was 2026 wirklich zählt!“, in dem es um finanzielle Enge, gesellschaftliche Spannungen, Orientierungslosigkeit und Erschöpfung in Verwaltungen und Unternehmen geht.
Das passt gut zu den Fragen, die Verwaltungen in den kommenden Jahren begleiten werden: Wie führt man, wenn Ressourcen knapper werden? Wie bleibt man wirksam, wenn Systeme erschöpft sind? Wie gibt man Orientierung, wenn Unsicherheit zum Normalzustand wird?
Warum diese Empfehlungen zusammengehören
Die Empfehlungen zeigen unterschiedliche Seiten desselben Themas. Das Kommunale Monitoring und Stark im Amt machen sichtbar, wie groß der Druck auf kommunale Verantwortungsträger:innen geworden ist. Amy Edmondson hilft dabei, Teams und psychologische Sicherheit besser zu verstehen. Klaus Eidenschink schärft den Blick für Konflikte, die nicht verschwinden, nur weil man sie ruhig hält. Erich Holzwarth und Leila Adjemi verbinden kommunale Verantwortung mit Wirkung und Auftritt. Daniel Goleman und Brené Brown öffnen den Blick auf Selbstführung, emotionale Intelligenz und Mut in schwierigen Gesprächen.
Zusammen entsteht ein Bild, das für Verwaltungen wichtig ist: Führung ist keine Zusatzkompetenz für Menschen, die irgendwann Verantwortung übernehmen. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Verwaltung unter Druck handlungsfähig bleibt.
Wer sich in das Thema einarbeiten möchte, findet hier gute Einstiegspunkte. Und vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass Führung nicht erst beginnt, wenn es knallt. Sie beginnt früher: bei Klarheit, Selbstwahrnehmung, Konfliktfähigkeit und der Frage, wofür man eigentlich Verantwortung übernimmt.
Hinweis: Zu diesem Thema gibt es auch eine Folge in unserem Kleinstadtniveau Podcast mit Leila Adjemi. Darin sprechen wir über Führung in Verwaltungen, Körpersprache, klare Grenzen und die Frage, wie Menschen in Verantwortung wirksam bleiben, wenn der Druck steigt.
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